
Das Bad der Nüsse & Hülsenfrüchte klingt nach einem Roman, der im Orient spielt? Trendige Speisen mit Nüssen & Hülsenfrüchte bringen uns auch oft einen Hauch von Orient. Anders als in Mitteleuropa sind dort die Hülsenfrüchte nie aus der Mode gekommen. Ob Sie nun traditionelle heimische Gerichte oder etwa ein indisches Linsen-Dal zubereiten, das Einweichen der Samen (Hülsenfrüchte und Nüsse sind ja letztlich Samen) ist wichtig für die Bekömmlichkeit (Vermeidung von Blähungen) und die Bioverfügbarkeit der Nährstoffe. Das gleiche gilt auch für Getreide.
Vorteile des Einweichens
Einweichen bringt sowohl gesundheitlichen Nutzen als auch praktische und kulinarische Vorteile:
1. Ausschwemmung und Abbau von Enzyminhibitoren
Enzyminhibitoren in Nüssen verhindern, dass unsere Verdauungs- und Stoffwechselenzyme arbeiten können. Diese Enzymhemmer blockieren und verlangsamen ansonsten unsere Enzyme und verursachen Bauchschmerzen.
2. Abbau von Phytinsäure
In den äußeren Schichten von Nüssen, Hülsenfrüchten und Getreide ist Phytinsäure enthalten. Sie verhindert die Aufnahme von Eisen, Zink, Calcium, Magnesium und Kupfer. Durch das Einweichen wird die Säure neutralisiert.
3. Bildung neuer natürlicher Enzyme
Samen werden durch Feuchtigkeit zum Keimen angeregt. Das heißt, auch durch unser Einweichen „erwachen“ die Samen, und die Mineralstoffe werden für uns zugänglich. Vergleiche die Vorteile von Sprossen und Keimlingen! Besonders Vitamin B1 kann so deutlich besser aufgenommen werden. Durch das Einweichen werden Mehrfachzucker der Hülsenfrüchte, die sonst Gase im Darm entstehen lassen, schwer verdauliche Proteine und Gluten in einfachere Komponenten zerlegt und sind für uns leicht aufnehmbar.
4. Verkürzung der Kochzeit
Eingeweichtes erspart uns Zeit beim Kochen selbst und senkt den Verbrauch an Strom und Gas.
5. Feinere Weiterverarbeitung
Mit eingeweichten Nüssen werden Aufstriche, Nussmuse und Desserts viel cremiger. Nussmilch wird nur mit den eingeweichten Nüssen gut gelingen. Das Aroma von z.B. Walnüssen und Mandeln wird durch das Einweichen intensiver.
Lassen Sie sich vom Einweichen nicht die Lust auf Rezepte verderben! Über Nacht, oder während man tagsüber in der Arbeit ist, vergeht die passende Zeit. Es sind also nur ein paar Minuten Aufwand bei Vorausplanung. Es gibt Verpackungen, auf denen eine Kochzeit mit und eine ohne Einweichen steht. Bitte aus oben genannten Gründen immer einweichen. Auch rote Linsen sollen 8 Stunden einweichen!
5 Schritte zum gesunden Einweichen
1. Zum Einweichen verwenden Sie nur Glas- oder Keramikschüsseln. Metallschüsseln sind ungeeignet.
2. Das Einweichgut gründlich mit kaltem Wasser waschen. Dazu zuerst in der Schüssel ausschwemmen. Was obenauf schwimmt entfernen. Dann das Wasser durch ein Sieb abgießen und gründlich spülen.
3. Zum Einweichen die doppelte bis dreifache Wassermenge verwenden und Einweichgut bei Zimmertemperatur stehen lassen. Dabei nicht luftdicht abdecken, denn es soll atmen können.
4. Die Einweichzeit der Nahrungsmittel befolgen und unterschiedliche Nüsse, Hülsenfrüchte und ebenso Getreidesorten in getrennten Schüsseln einweichen, weil sie unterschiedlicher Einweichzeiten bedürfen.
5. Nach dem Einweichen wieder mit Hilfe eines Siebes gründlich abspülen. Durchschwenken und spülen, bis das Wasser klar ist. Das Einweichwasser immer wegschütten. Es befinden sich darin die ausgeschwemmten blähenden Stoffe.
Wie lange Einweichen?
Je nach Quelle unterscheiden sich die Angaben zur Einweichzeit etwas. Hier einige Richtwerte:
- Weiche Hülsenfrüchte, kleinen Bohnen, Kichererbsen: 8 – 12 Stunden
- Sojabohnen: 12 Stunden
- Große Bohnen: 24 Stunden
- Getreide: 8 – 12 Stunden
- Harte Nüsse (z.B. Haselnüsse, Mandeln): 8 – 12 Stunden
- Mittelharte Nüsse (z.B. Walnüsse, Pekannüsse, Paranüsse): 4 – 6 Stunden
- Weiche Nüsse (z.B. Cashewnüsse, Pinienkerne): 2 – 4 Stunden
- Kleine Kerne (z.B. Sonnenblumenkerne, Sesam): 6 – 8 Stunden
Bunt gekocht Tipp zum Kochen von Hülsenfrüchten:
Hülsenfrüchte immer erst ganz am Ende der Kochzeit oder bei der Weiterverarbeitung salzen, sonst verlängert sich die Kochzeit wesentlich. Falls zu Beginn des Kochens Schaum entsteht, diesen abschöpfen. Bei starker Schaumbildung abgießen und mit frischem Wasser nochmals neu zustellen. Wichtig noch: zu langes Kochen führt zu Blähungen. Also Hülsenfrüchte nur so lange wie notwendig kochen und den Kochprozess nicht unterbrechen, weil sonst die kleinen Kügelchen und Böhnchen nicht weich werden.
In alten österreichischen Rezepten werden Hülsenfrüchte oft mit einem Spritzer Essig gekocht. Auch das macht sie für den Darm verträglicher. Zitronensaft, Senf, diverse Gewürze und Kräuter habe die gleiche unterstützende Wirkung.
Und wie ist das mit Trockenfrüchten?
Trockenfrüchte werden nur 15 bis 60 Minuten eingeweicht – entweder in frischem Wasser oder bereits in der Basisflüssigkeit des jeweiligen Rezepts, z.B. Milch.
Trockenfrüchte geben einen Teil ihrer Süße und wertvollen Nährstoffe in die Flüssigkeit ab. Die Einweichflüssigkeit wird deshalb nicht weggeschüttet.
Veröffentlicht am 28. Januar 2018, Kategorie/n: Ernährungstipps, Schlagwörter: Einweichzeiten, Hülsenfrüchte, Nüsse